Begräbnis Dr. Otto von Habsburg in Wien

Erinnerung an einen großen Europäer

Am Abend bevor der große Orkan Kyrill über Oberösterreich fegte war Dr. Otto von Habsburg als Vortragender bei der Buchpräsentation über die Biographie General Zehners – dem Namensgeber der Kaserne – in Ried zu Gast. Für jeden Teilnehmer wird dieser 18. Jänner 2007 unvergessen bleiben. Offiziere des Brigadekommandos und Teile des Kaders vom PzGrenB13 sowie einige Ehrengäste waren fasziniert vom Vortrag Habsburgs und der Energie des damals schon 95jährigen. „Niemals aufgeben“ war das Lebensmotto des Europapolitikers und Visionärs.

Die Traditionsregimenter sammeln auf dem Stephansplatz

Erzherzog Otto von Österreich wurde am 20. November 1912 als ältester Sohn des letzten regierenden Kaisers Karl I. geboren. Am Ende des ersten Weltkriegs ein 6jähriger Knabe, musste er den Untergang des Habsburgerreiches genauso wie die Flucht der Familie ins Exil und den Tod seines Vaters auf der portugiesischen Insel Madeira im Jahr 1922 bewusst miterleben. Seine Mutter, Kaiserin Zita von Bourbon-Parma sorgte für seine strenge Erziehung, denn „Seine Majestät“ Otto wird 1930 im Alter von 18 Jahren das Oberhaupt der Habsburg Dynastie. Ottos Bemühungen Widerstand gegen Hitler und besonders gegen einen Anschluss Österreichs an das III. Reich zu erkämpfen, waren leider vergebens. Wieder auf der Flucht kam die Familie über Bordeaux und Lissabon nach Amerika, wo Otto die meiste Zeit des Krieges verbrachte. 1945 kam er in ein zerstörtes Nachkriegseuropa zurück, hatte kein Zuhause und keine Geldmittel und startete als Autor und Vortragender. 1951 heiratete Otto Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen, aus deren Ehe fünf Töchter und zwei Söhne stammen. 1961 leistete Otto eine Verzichtserklärung auf seine Thronrechte und begrub die von seiner Mutter am Leben gehaltenen Hoffnungen, einen europäischen Thron zu besteigen. An seiner Vision, die Völker Mitteleuropas befreit und geeint zu sehen, hielt er fest. Er sah nun seine Zukunft in der paneuropäischen Union und beendete seine politische Laufbahn als ältestes Mitglied und Abgeordneter im EU Parlament.

LIR. 2 im Kondukt am Stephansplatz

Sein größter Wunsch „bis ins hohe Alter aktiv zu sein“ ging in Erfüllung und auch in seinen letzten Lebensjahren reiste Otto von Habsburg unermüdlich im neuen Europa, in dem die meisten Völker der einstigen Monarchie vereint sind. Nach dem Tod seiner Frau im Februar 2010 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends und er verstarb am 4. Juli 2011 in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See im 99sten Lebensjahr.

Am Samstag den 16. Juli gab es im Wiener Stephansdom ein feierliches Requiem für Otto von Habsburg, geleitet von Kardinal Schönborn. Unter den 2.000 Trauergästen im Dom war vor allem die Familie und der österreichische Adel, aber auch die Politik vertreten. Zum Abschluss des Requiems formierte sich nach der Kaiserhymne und den Schlägen der Pummerin der Trauerkondukt. Angeführt von der Gardemusik, dem Insignientrupp und einer Ehrenkompanie des Gardebataillons führte der Kondukt durch die Hofburg über den Heldenplatz zur Kapuzinergruft. In der endlos scheinenden Reihe der Fahnenabordnungen, Studenten, Traditionsverbänden, Tiroler Schützen, Vliesritter, Kreuzträger, der Familie und vielen weiteren Festgästen welche dem festlich geschmückten Sarg folgten, marschierte auch eine große Abordnung der Linzer Zweier. Für uns war dies nicht nur ein einzigartiges Erlebnis, es war auch das Ende einer Epoche Österreichs.

Andreas Danner, Oblt. iTR