Wanderer kommst du nach Sparta ….

Keine Sorge, alle sind wieder wohlbehalten zu Hause angekommen!

Ernsthaft – am 26. Mai um 07 Uhr 05 war es wieder soweit. Der Aufmarsch für die 3. Frühsommerwanderung des k.k. Landwehrinfanterieregiment Linz Nr. 2 (Gesellschaft für lebendige Geschichtsdarstellung) begann pünktlich im Busbahnhof Linz mit der Abfahrt der Buslinie 311 nach Freistadt, Eilkurs wohlgemerkt. Durch Urlaubsaufenthalt, Wellnesstage und sonstige Verpflichtungen doch etwas geschwächt, trat eine muntere Schar von sieben Streitern die Reise in den Norden an. Unzählige Stationen und eine Stunde später, ich betone nochmals – Eilkurs!! – können wir unseren „Langen Marsch“, frei nach Mao Tse Tung, in Neumarkt im Mühlkreis, direkt beim Kriegerdenkmal, endlich starten.

Noch ein letzter, weiter Blick in das Mühlviertler Hügelland und schon tauchen wir hinunter in das Tal der Kleinen Gusen, wo wir nach wenigen hunderten Metern auf die bemerkenswert gut erhalten gebliebene Trasse der Pferdeeisenbahn Linz – Budweis stoßen. Sie soll uns den ganzen Weg zurück nach Linz, mal mehr, mal weniger, begleiten.

Hatte ich schon erwähnt, dass wir bei unseren letzten beiden Wanderungen, militärisch gesagt Märschen, immer nach Linz wand…. – marschierten!!?? 2016 von Neufelden und 2017 von Bad Leonfelden, und immer umweltfreundlich mit den Öffis zum Ausgangspunkt!!

Aber wie gesagt wir haben die Pferdeeisenbahn erreicht und auch für den ungeübtesten Orientierer war es ein Leichtes den richtigen Weg zu finden. Und wenn man ganz genau hinhörte konnte man förmlich das Geklapper der Hufe hören; eine Freude für unsere Freunde von der Kavallerie, die aber am Marschieren nicht so recht Freude finden können (Ich zitiere: „Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde!“).

Als bodenständige Infanteristen heißt unser Motto: Auf Schusters Rappen. Man beachte bitte die sprachliche Nähe zur Reiterei – Rappen!! Und frohen Mutes geht es dahin, den Blick geschärft für noch so kleine Details am Wegesrand wie eine Kapelle, duftende Heuwiesen oder kleine Häufchen mit Pferdeäpfeln, die uns zu manch riskanten Ausweichmanöver zwangen.

Nach etwa einer Stunde Gehzeit wurde unser Vorwärtsdrängen abrupt bei der Schermühle gestoppt. Ein freundlicher Hausbesitzer erbarmte sich unser und versorgt uns umgehend mit vergorenem Gerstensaft. Zwanzig Minuten später und eine Gartenführung reicher konnten wir uns wieder loseisen um unserer ersten größeren Pause bei der Bürstenbachkehre zuzueilen.

Habe ich jetzt tatsächlich eilen geschrieben? Wir eilten mitnichten, dafür ist der Weg durch das Gusental viel zu malerisch. Vor etlichen Jahren bestand doch tatsächlich der Plan die Autobahn durch dieses Landschaftsjuwel zu legen. Was für ein Wahnsinn!

Gegen 10 Uhr 30 erreichten wir gerade noch rechtzeitig den Wirt in der Bürstenbachkehre! Der stundenlange Kaffeeentzug nahm nämlich schon bedrohliche Formen an. Danach folgte aber sofort die erste Bewährungsprobe; bei sengender Hitze und auf der Asphaltstraße bezwangen wir die erste Bergwertung.

Die Pferdeeisenbahn hatte sich nun schon einige Zeit nicht mehr gezeigt, aber wie aus dem Nichts war da wieder mitten im Wald ein meterhoher Damm, aufgeschüttet um eine gleichmäßig geneigte Strecke zu konstruieren. Aber nicht nur auf Relikte der Pferdeeisenbahn trafen wir, auch Spuren von lange zurückliegenden kriegerischen Auseinandersetzungen waren zu finden. Das sogenannte Franzosengrab kurz vor Gallneukirchen legt Zeugnis davon ab, wie weit die Franzosen 1809 auch in das Mühlviertel vorstießen.

In Gallneukirchen mischten wir uns unter die Scharen der Firmlinge, in Gallneukirchen war Firmungstag, und konnten doch einen der raren Plätze beim Gasthaus Landerl ergattern. Als optischer Gegensatz zu den fein gekleideten Firmlingen nahmen wir verschwitzt Platz und konnten das Servieren der Getränke kaum erwarten. Immer wieder streifte uns ein flüchtiger Blick der Firmlinge und ihrer versammelten Angehörigen, weil wir doch so überhaupt nicht in ihr festliches Bild passten. Umso anerkennender war der Kommentar des Kellners a unser woher und wohin!!

Nachdem sich unsere Beine wieder an den Marsch gewohnt hatten, unsere Mittagspause dauerte doch etwas länger als geplant, ging es zügig über den Linzer Berg. Auf dem nächsten Hügel, nachdem wir unserem Führer (Ich) eine etwas feuchte Bachpassage zu verdanken hatten, konnten wir zum ersten Mal den Blick auf den Pöstlingberg werfen, der aber zum Glück nicht der Endpunkt unseres Marsches sein sollte. Der geneigte Leser dieser Zeilen beachte bitte den korrekten Terminus: Marsch!!

Unzählige Relikte der Pferdeeisenbahn und eine letzte steile Waldpassage später war schon das Stadtgebiet von Linz zu erkennen. Unser letzter Halt beim Mostbauern fiel leider einer fehlerhaften Internet-Recherche zum Opfer, aber Ersatz war schnell gefunden, mit dem zusätzlichen Nutzen die Strecke doch um wenige Meter zu verkürzen.

Und auf diese Weise konnten wir es dann auch noch den Kameraden der Marine gleichtun und an Bord eines im Universitätsteich vor Anker liegenden Bootes, Teichwerk genannt, gehen. Unsere fröhliche Runde wurde nur noch durch eine noch lautstärkere Damenrunde überboten.

Nach dem obligaten Schluss-Gruppenfoto, freundlicherweise durch das Servicepersonal unterstützt, beendeten wir unseren „Langen Marsch“ mit einer ökologisch einwandfreien Fahrt mit der Linzer Straßenbahn!!

Eine Schlussbemerkung sei mir an dieser Stelle gestattet: Zum dritten Mal hatte sich bereits gezeigt, wie erholsam und entspannend es sein kann, in angenehmer Begleitung durch das Umland unserer Landeshauptstadt zu streifen. Auch wenn nicht unbedingt spektakulär so doch eindrucksvoll!!!

Vielleicht, geschätzter Leser dieser Zeilen, gelingt es Ihnen sich unsere Schar anzuschließen, wenn wir 2019 wieder auf Schusters Rappen unterwegs sind.

Im Namen Ihrer doch sehr lebendigen Gesellschaft für Geschichtsdarstellung

G-U

P.S.: Dieser Bericht wird noch durch weitere Fotos verfeinert sobald diese auf Grund eines technischen Defekts wieder verfügbar sind.