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        HOCHLINZ - damals und jetzt

Im Verband der 44. Landwehrtruppendivision übernahm das LIR 2 nach dem Kriegseintritt Italiens den Abschnitt Planina za Grebenom oberhalb des Lepenjetales im Gebiet des Krn. Das Tor zum Oberen Isonzo, eine baum- und strauchlosen Höhenstellung im Bereich der Gipfel des Vrisic, Lipnik und der Kote 1776 - genannt „Teufelsfelsen“ - wurde von den Linzer Zweiern über 8 Monate lang zähe und verbissen verteidigt. 

Unterhalb der Stellungen in einem steilen zerklüfteten Hochgebirgswald wurden winterfeste Quartiere, Verpflegungslager und Sanitätshilfsplätze erricht. Diese Hüttenkolonien wurden nach Ortsnamen wie Hochwegscheid, Hochpöstlingberg, Hochkleinmünchen (Hochlinz) benannt. Ein weitverzweigtes Wegenetz, Seilbahnen und Telefonverbindungen vom Tal zum Kommando und den Barackenlagern bis hoch hinauf zu den Stellungen musste erst in mühevoller Arbeit geplant und errichtet werden.

In den letzten Jahren haben Kameraden unseres Traditionsregimentes einige Erkundungsfahrten und Wanderungen in das ehemalige Kampfgebiet der Linzer Zweier unternommen. Nirgendwo kann man den Spuren unsere Urgroßväter noch besser folgen als dort – dem wildromantischen Gebirgszug des Krn, welcher heute im Naturschutzgebiet des Triglaver Nationalparks liegt.



"Zweier-Schützen" als Flieger und Ballonbeobachter im 1. Weltkrieg.

Die öst.-ung. Armee besaß im 1. Weltkrieg eine im Vergleich zu den anderen Mächten zwar nur kleine, aber dafür äußerst tüchtige Flieger- und Luftschiffertruppe unter der Bezeichnung k.u.k. Luftfahrtruppen. Der Kommandant war der Oberst des Geniestabes Emil Uzelac, ein Serbe aus der Lika (Kroatien). Das Bodenpersonal bestand meist aus Professionisten und wurde den Luftfahrtruppen vom gemeinsamen k.u.k. Kriegsministerium zugewiesen. Das fliegende Personal jedoch, Piloten und Beobachter, setzte sich ausschließlich aus Freiwilligen zusammen, die aus allen möglichen Waffengattungen zur Flieger- und Luftschiffertruppe kamen. Das Besondere daran war, dass sich die Fliegertruppe genau so wie die k.u.k. Armee aus allen Nationalitäten der Habsburgermonarchie zusammensetzte. So diente der aktive Oberleutnant aus uraltem Polnischen Adel neben dem Stabsfeldwebel aus Wien oder der tschechische Reserveleutnant aus Prag neben dem feschen Husarenoffizier aus Debreczin. Sie alle einte die Liebe und das Interesse an der neuen Waffe. Trotz hoher Personalverluste, beginnend bereits bei der Ausbildung und sich fortsetzend an der Front war die Moral bis zum bitteren Ende als hervorragend zu bezeichnen. Mit drei Kurzbiografien soll das Schicksal von ehemaligen Angehörigen der „Linzer Zweier“ beschrieben werden, die abseits ihres Regimentes getreu ihrem beschworenen Eid, „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ ihrem Regiment Ehre und Ruhm einbrachten.

Fliegertruppe

Auch die oberösterreichischen „Zweier“ waren bei den k.u.k. Luftfahrtruppen durch einige tüchtige Flieger und Ballonisten vertreten. Wann ihre Zahl nicht so groß war, so hängt dies mit der damals vorwiegend bäuerlichen Struktur von Oberösterreich und mit dem Unwillen des k.k. Ministers für Landesverteidigung, General der Infanterie Freiherrn v. Georgi, zusammen, den Luftfahrtruppen Personalnachschub aus der österreichischen Landwehr zukommen zu lassen. Waren bei Kriegsbeginn die meisten Piloten noch Offiziere so änderte sich dies rasch. Auf Grund hoher Offiziersverluste war das AOK gezwungen, verstärkt Flugzeugführer aus dem Mannschafts- und Unteroffizierstande zu rekrutieren. Man ist damit gut gefahren und der einzige negative Aspekt bei dieser Auswahl war zwangsläufig bei der streng hierarchischen Gliederung der gemeinsamen k.u.k. Armee, der (österreichischen) k.k. Landwehr und der (ungarischen) k.u. Honvéd eine Minderung des Prestige der Piloten. Er wurde plötzlich zum „Luftkutscher“ degradiert. Nur ein Unteroffizierspilot erlebte die Ehre zum Reserveleutnant ernannt zu werden, und dies leider auch nur posthum. In der deutschen Armee wurden tüchtige Unteroffiziere zu Leutnants befördert, erwarben sich den Pour le merité, bekamen bei der Verleihung des bayrischen Militär-Max-Josephs-Orden sogar den Adelstitel „Ritter“ In Österreich-Ungarn hingegen, blieb erfolgreichen Fliegern aus dem Unteroffizierstand der Leutnantshimmel verschlossen.

Das hat viel böses Blut gemacht und war auch in Gesprächen, welche ich mit ehemaligen Unteroffiziers-Piloten geführt hatte, noch mehr als fünfzig Jahre später zu spüren. Es ist dies ein sehr betrübliches Kapitel öst.-ung. Sozialgeschichte. Zwanzig Jahre später in der deutschen Wehrmacht, wurden jene ehemaligen k.u.k. Flieger, welche die Goldene Tapferkeitsmedaille besaßen und zur Luftwaffe einberufen wurden zumindest zum Leutnant befördert. Vielen hat dies eine späte Genugtuung und Freude bereitet. Trotzdem, die Ernennung zum k.u.k. Reserveleutnant hätte für sie alle eine höhere Wertschätzung besessen. Die k.u.k. Luftfahrtruppen waren eben etwas Einmaliges, etwas ganz Besonderes ! Stellvertretend für diese Unteroffiziere soll das Schicksal eines oberösterreichischen Fliegers aus dem Mannschaftsstand geschildert und der Vergessenheit entrissen werden.

 

FP Zugsführer Ernst Winkler wurde 1897 in Apfaltersbach geboren und 1916 zum Landwehrregiment Nr. 2 einberufen. Nach der militärischen Grundausbildung, meldete er sich freiwillig zu den k.u.k. Luftfahrtruppen Nachdem er die ärztliche Untersuchung erfolgreich bestanden hatte wurde er mit der Charge eines Luftschiffersoldaten (LS) als Pilotenschüleraspirant (PSA) zur Fliegerersatzkompagnie (FleK) 2 in Wiener Neustadt eingeteilt. Dort machte er die Grundschulung mit. Am 1.4. 1917 zum Pilotenschüler ernannt wurde Winkler mit 15.Mai zwecks Fortschulung der Bedingungsflüge (II. Ausbildungsstufe) zur Flek 4 nach Szombathely (Stein am Anger) transferiert. Den Gefreitenstern erhielt er mit Datum vom 21. Mai. Die III. Ausbildungsstufe (Schulung auf den Kriegsflugzeugen) absolvierte er bei der Flek 8 in Wiener Neustadt. Nach seiner Ernennung zum k.u.k. Flugzeugführer am 23.8. wurde er mit 1.9.1917 zum Korporal befördert und zur Fliegerkompagnie 45 an die Dolomitenfront eingeteilt. Die 45. Fliegerkompagnie war zu dieser Zeit auf einem kleinen Flugfeld nördlich von Brixen, im engen Eisack-Tal, stationiert. Rundum von Bergen eingeschlossen hatte das Flugfeld eine Breite von etwa 180 und eine Länge von nur 400 Meter. So kleine Gebirgsflugplätze verlangten geschickte Piloten, denn Start und Landung waren nicht einfach. Geflogen wurde für das k.u.k. XX. Korps, der Rayon IV (Marmolata bis zum Val Piana, Fiera di Primiero und der Raum Feltre – Belluno) bildete den Aufklärungsraum. Nach nur 5 Feindflügen erhielt Korporal Winkler bereits am 1. November die kleine Silberne Tapferkeitsmedaille (TM) verliehen. Mitte November 1917 verlegte die FliK 45 nach Levico im Val Sugana, den Standort des 11. Armeekommandos. Aufklärungsraum war nun die Asiago-Front. Wegen Übersiedlung und schlechtem Wetter kam die Flugtätigkeit fast zum erliegen, Winkler konnte im November und Dezember nur je 2 Feindflüge absolvieren. Dies war auch die Ursache dass er erst mit 31. Dezember 1917 zum Feldpiloten ernannt werden konnte, zum Zugsführer wurde FP Winkler bereits am 21. Oktober befördert. Sein neunter Feindflug am 6.Dezember 1917 war ein besonderer Tag für die Besatzung FP Zugsführer Winkler und Beobachter Leutnant i.d.Res. Hermann Knaus (ein ehemaliger Angehöriger des k.k. Gebirgschützenregimentes Nr. 1). Der Auftrag befahl das Fotografieren der neuen feindlichen Stellungen am Monte Meletta. Um gute Aufnahmen zu erzielen, befahl der Beobachter dem Piloten mit dem Flugzeug so tief wie möglich herab zu gehen. Kaum war der Pilot dem Befehl nachgekommen als südlich des Val Frenzela ein Granatvolltreffer die linke Verwindung durchschlug und die Steuerseile zerriss. Auch der Motor wurde durch ein Sprengstück getroffen und reagierte auf Vollgas nicht mehr. Das Flugzeug begann abzurutschen, neigte sich nach rechts und alle Bemühungen des Piloten den Flugapparat wieder aufzurichten blieben erfolglos. In dieser scheinbar aussichtslosen Situation bewahrte Zugsführer Winkler die Ruhe und Übersicht, befahl dem Beobachter er solle auf die linke Tragfläche hinaussteigen, welcher Aufforderung der tapfere Offizier in Kenntnis der gefährlichen Lage sofort nachkam. Dadurch konnte der Pilot die Maschine wieder in die horizontale Lage bringen. Mit dem Beobachter auf der linken Tragfläche und im Gleitflug steuerte der Pilot das Flugzeug noch 22 km im Gleitfluge den eigenen Linien zu und notlandete am Tonezza-Plateau, bei Casa Sella, in der Nähe des 1. Zuges der 1. Batterie des Feldhaubitzregimentes Nr. 3 (FHR), wobei die Maschine in Brüche ging, die Besatzung jedoch mit kleineren Blessuren davonkam. Offiziere und Mannschaften der Batterie 1./FHR Nr. 3 bestätigten in Augenzeugenberichten die ungewöhnlichen Umstände dieser Notlandung. Winkler erhielt für diesen Feindflug die Goldene Tapferkeitsmedaille zuerkannt. Feldmarschall Conrad v. Hötzendorf setzte am 1.1.1918 seine eindrucksvolle Paraphe unter den Belohnungsantrag zur Goldenen, nachdem bereits am 25.12.1917 Generaloberst v. Scheuchenchenstuel, der Kommandant der 11. Armee, den Antrag befürwortet hatte. Zu seinem letzten, den elften Feindflug startete Winkler mit dem Beobachter Oblt.i.d.Res. Oskar Knoll in der Hansa-Brandenburg C.I (Ph) 29.07 am 30. Januar 1918. Über Cima Ecker – Col del Rosso, zwei hart umkämpften Brennpunkten der Asiago-Front, von zwei feindlichen Jagdflugzeugen angegriffen wurden sie hinter den gegnerischen Linien im Luftkampf brennend abgeschossen und fanden den Fliegertod. 

Ballontruppe

Bei der Ballontruppe diente Hauptmann a. D. Anton Lederbauer. Im Dezember 1917 als Ballonbeobachter bei der Ballonkompagnie Nr. 26 eingeteilt wurde er noch im selben Monat zum Kommandanten der Ballonkompagnie Nr. 27 ernannt. Diese Einheit führte er bis Ende April 1918, anschließend bis Kriegsende war er Kommandant der Ballonkompagnie 15. Alle erwähnten Balloneinheiten waren am Piave eingesetzt.

Leutnant i.d.Res. Dr. Eduard Kopetschni war ein weiterer Angehöriger des Landwehrregimentes Nr. 2 bei der Ballontruppe. Er kam bereits im Februar 1916 vom Ballonkurs in Hainburg zur Ballonabteilung Nr. 1 an die Isonzofront. Im April 1916 zur Ballonabteilung 6 an die russische Front transferiert erwarb er sich das Bronzene Militärverdienstmedaille und wurde mit 1.8. 1916 zum Reserveleutnant befördert. Im März 1917 wurde er zum Fliegeretappenpark 4 in Lemberg versetzt und war dort für das Ballonmaterial zuständig. Das Jahr 1918 sah in kurze Zeit als Ballonbeobachter bei der Ballonkompagnie 21, als Adjutant beim Ballonstabsoffizier der k.u.k. 6. Armee und beim XXIV. Korps. Im Sommer 1918 erfolgte dank seiner Integrität und Gewissenhaftigkeit die Berufung in die Abteilung 5/L des k.u.k. Kriegsministeriums, wo er mit der Führung des Ein- und Ausfuhrreferates betraut wurde.
Karl Meindl

Quellenverzeichnis:

Personalakt des FP Zgf Ernst Winkler – Oesta,KA. Belohnungsantrag zur Goldenen TM für den FP Zugsf. Winkler – Oesta,KA. PersA des BO Lt.i.d.Res. Hermann Knaus – Oesta,KA. PersA des BO Oblt.i.d.Res. Oskar Knoll – Oesta,KA. PersA des Ballonbeobachters Hptm. a. D. Anton Lederbauer – Oesta,KA. PersA des Ballonbeobachters Dr. Eduard Kopetschni – Oesta,KA. Luftfahrersatztruppen-Befehle der Jahrgänge 1916 und 1917 – Oesta,KA. Luftfahrtruppenbefehle der Jahrgänge 1916, 1917 und 1918 – Oesta,KA. Monatsberichte der Fliegerkompagnie 45 – Oesta,KA. Bildarchiv des Feldpiloten Josef Bangerl +, Traunkirchen.

Luftfahrtarchiv Karl Meindl, Nettingsdorf.

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