Der zweier Landsturm im I. Weltkrieg

Die Organisation

Nach dem Landsturmgesetz vom 6. Juni 1866 verfügte Österreich über eine einheitliche Landsturmorganisation welche mit der Mobilmachung 1914 aufgerufen wurde um das k.u.k. Heer und die k.k. Landwehr im Kampf zu unterstützen.

Landsturm 1914:...

Der Landsturmbezirk Nr. 2 umfasste Oberösterreich und Salzburg. Im Frieden wurden alle Landsturmplichtigen Männer vom Landsturm-Bezirkskommando Linz Nr. 2 mit einer Expositur in Salzburg in Evidenz gehalten. Die Aufgabe des Bezirkskommandos war die Durchführung der Grundbuchbewegungen und der Evidenthaltung der Landsturmpflichtigen. Für diese Tätigkeiten standen in der Friedenszeit ein Personal von 2 bis 3 Offizieren, 4 bis 6 Unteroffizieren und 6 bis 8 Infanteristen (heute würde man sagen „Systemerhalter“) für Magazinarbeiten zur Verfügung. Bei der Expositur in Salzburg waren 1 Hauptmann, 2 Unteroffiziere und 2 bis 4 Infanteristen beschäftigt. 2 Waffenmeister versahen die Waffenkonservierung in den Landsturmmagazinen Linz und Salzburg wo auch die Bekleidung und Ausrüstung für das Landsturm-Infanterieregiment Nr. 2 aufbewahrt wurde.

Vivat Band

Für die Eisenbahnsicherungs-Abteilungen und Gendarmerie-Assistenzen erforderliche Bekleidung, Uniformen (ältere Sorten) und Waffen und Munition (meist noch einschüssige Werndl Gewehre), waren bei einzelnen Gendarmerieposten aufgewahrt, wo die Ausgabe an die Landsturmmänner des zweiten Aufgebots erfolgte.

Zum Landsturm wurden überwiegend bereits gediente Soldaten und Ersatzreservisten - im ersten Aufgebot im Alter bis zum 37. und im zweiten Aufgebot im Alter zwischen dem 38. und dem 42. Lebensjahr - einberufen. Die Landsturmpflicht wurde 1915 auf das vollendete 50. Lebensjahr ausgeweitet. Waffendienstuntaugliche und auch über 42 Jahre alte Landsturm-Männer wurden zu Landsturm-Arbeiterabteilungen einberufen.

Für den Landsturm waren folgende Aufgaben vorgesehen: Verstärkung der aktiven Truppen des k.(u.)k. Heeres, Entlastung der Kampftruppen von Hilfsdiensten im Hinterland und die Beistellung von Bahnsicherungs-Abteilungen und Gendarmerie-Assistenzen für das Hinterland.

Der Gesamtstand des Landsturmbezirks Oberösterreich-Salzburg betrug vor dem Krieg 576 Offiziere, 29.550 Mannschaften, 544 Pferde und 262 Fuhrwerke. In dieser Zahl sind alle Landsturmpflichtigen Personen aller Landsturm Formationen enthalten. Bei jedem der 40 Landsturmbezirke in der ö.u. Monarchie kann die Zahl der 1914 ins Feld abgegangenen Personen durchschnittlich mit je 30.000 angenommen werden, woraus sich eine Landsturm Gesamtstärke in der beachtlichen Stärke von 1,2 Millionen Soldaten ergab. Im ersten Kriegsjahr 1914 gingen alle Feldformationen mit der in den Mobilisierungs-Instruktionen vorgeschriebenen Stärke an die Front. 1915 hatten die Marschkompanien welche zum auffüllen der Verluste der Feldbataillone an die Front gingen eine Stärke von 2 bis 3 Offizieren und 200 Mann, im Jahr 1916 nur mehr 110 Mann. 1917 mussten von den k.k. Schützenregimentern Nr. 8 und 28 (beide tschechisch) Aushilfskontingente für den Landsturmbezirk Nr. 2 beigestellt werden. Im letzten Kriegsjahr 1918 konnten keine Marschkompanien mehr aufgestellt werden. Man kann daraus schließen, dass der Landsturmbezirk Oberösterreich-Salzburg ab dem Jahresende 1917 nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in personeller Hinsicht vollkommen ausgepumpt war!

Vor dem Abgang ...

Zusätzlich wurden im Laufe des Krieges eine größere Anzahl von selbständigen Bataillone formiert über diese es nur sehr unvollständige Aufzeichnungen gibt. Diese wurden als Landsturm-Marsch-, Feld-, oder Infanteriebataillone bezeichnet. Von zumindest 11 dieser Bataillone sind zum Teil sehr spärliche Aufzeichnungen erhalten. Sie wurden an den unterschiedlichsten Kriegsschauplätzen als Lückenfüller und zur Verstärkung eingesetzt.

Mobilisierung

Auf Grund der politischen Ereignisse nach dem Attentat auf den Thronfolger EH Franz Ferdinand im Sommer 1914 kam es am 28. Juli zur Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Die ursprünglich als regionale Strafexpeddition gedachte Auseinandersetzung entwickelte sich rasch zum Flächenbrand. Am 1. August 1914 kam es zur Ausgabe des Mobilisierungsbefehls, unter anderem auch für das k.k. Landsturm-Infanterieregiment Nr. 2 (Lst.Inf.Rgt. Nr. 2).

In der unvorstellbaren kurzen Zeit von nur 9 (!) Tagen wurden der Regimentsstab, die Feldbataillone I und II in Linz, die Bataillone III und IV in Salzburg (Morzg-Siegmundskron) samt den Trains aufgestellt und marschbereit gemacht. Der Personalstand dieses „Miliz-Regiments“ stellte sich bei der Mobilisierung wie folgt dar: Nur 8 Offiziere kamen aus dem Aktivstand des k.(u.)k. Heeres; der Regimentskommandant, ein aktiver Oberstleutnant des k.u.k. IR Nr. 14 Hessen, die Bataillonskommandanten I, II, III, je ein aktiver Stabsoffizier des k.k. Landwehr-Infanterie-Regiments Linz Nr. 2 (LIR 2), beim IV Bataillon ein Stabsoffizier eines Tiroler Landesschützenregiments. Auch Regimentsadjutant, Proviantoffizier, Regimentsarzt und Truppenrechnungsführer waren aktive Offiziere des LIR 2. Sämtliche übrigen Stellen, die von alle 16 Kompanie- und 48 Zugskommandanten, die 4 Bataillons-Adjutanten, und 5 Ärzte entstammten der Evidenz des Landsturmbezirkskommandos Linz, also aus dem Reservestand.

Einwaggonierung...

Unter den Kompanie- und Zugskommandanten waren auch ehemalige Berufsoffiziere, die sich aber aus beruflichen Gründen schon seit vielen Jahren nicht mehr um militärische Dinge kümmern konnten. Sie waren im Zivilleben meist Beamte, Kaufleute oder Angehörige freier Berufe. Die Unteroffiziere, die als dienstführende Feldwebel oder als Rechnungsunteroffiziere verantwortungsvolle Positionen ausüben mussten, gehörten zumeist älteren Jahrgängen an, bewährten sich dennoch und waren wichtige Stützen ihrer Kommandanten. Auch die Landstürmer, vom Infanteristen bis zum Zugsführer nahmen mit viel Geduld die ersten Mühseligkeiten der Mobilisierung ruhig auf sich. Es waren ehemalig Gediente, welche ihren Wehrdienst, der in der Monarchie 3 Jahre betrug, bei den Einheiten der k.u.k. Infanterieregimenter 14 und 59, bei der Jägertruppe oder des k.k. LIR Linz Nr. 2 abgeleistet hatten. Es gab aber auch Artilleristen, Kavalleristen und sonstige Angehörige von Spezialwaffen die nach Ableistung der Dienstpflicht dem heimatlichen Landsturmbezirk Nr. 2 zugewiesen wurden. Sehr viele dieser „Alten Diener“ hatten noch nie ein Repetiergewehr des Modell M 95 in der Hand gehabt sondern hatten ihre Ausbildung noch am einschüssigen Werndl Gewehr. Ihr Alter bewegte sich zwischen 34 und 42 Jahren!

Welche Arbeit an Organisation in diesen ersten 9 Tagen geleistet wurde ist höchst bewundernswert! 127 Offiziere und 3.975 Mann betrug der abmarschierende Stand des Lst.Inf.Rgt. Nr. 2, es wurden die Mannschaften möglichst gleichaltrig auf die Bataillone aufgeteilt und notdürftig instruiert. Der geplante Abtransport des Regiments wurde ohne Zielangabe auf den 15. August verschoben. Diese Verzögerung war vom Regimentskommando sehr erwünscht, da die Tage für weitere Ausbildung und administrative Verbesserungen genützt werden konnten.

Landsturmpass

Bei einer festlich begangenen, mit einer Feldmesse verbundenen Vereidigung am 15. August 1914 standen die Bataillone bereits in strammer Haltung. Die Monturen, durchwegs neu, waren wie in der damaligen Armee üblich in hechtgrauer Farbe, die Rüstung gleich der Landwehr. Jedoch war das Regiment weder mit Maschinengewehren, noch mit Telephon oder sonstigen Verbindungsmaterial ausgerüstet! Auch beim Pferdematerial gab es Probleme, da das Regiment keine zu Kriegsstrapatzen geeignete Pferde erhielt.

Die allgemeine Kriegsbegeisterung welche weite Teile der Monarchie erfasst hatte, trug sicher dazu bei, dass im Laufe des 15. August die einzelnen Transportstaffeln des Lst.Inf.Rgt Nr. 2 in strammer Ordnung und guter Stimmung, umjubelt von der Bevölkerung, von der Linzer „Franck-Fabrik“ zum Bahnhof marschierte. Auf welchen Kriegsschauplatz das Regiment verlegt werden sollte, war den Soldaten erst auf der Reise durch Preßburg zur Ahnung und bei der Auswaggonierung in Tarnow am 18. und 19. August zur Gewissheit geworden: Nach Russland!