Die Geschichte des Jungschützenmuseums

Geschichte

Angelobung der FWOÖS im Linzer Landhaus

Ende 1914 befand sich die k.u.k. Armee mit Masse an der Front gegen Rußland und Serbien. Die Verluste an Mensch und Material in diesen ersten Kriegsmonaten waren enorm und die Armee sollte sich von diesem Aderlass nie mehr richtig erholen.Anfang 1915 verdichteten sich die Anzeichen, dass Italien seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn in den Rücken fallen und ihn angreifen würde, um in den Besitz der Brennergrenze und der adriatischen Küstengebiete zu gelangen. Da reguläre Kräfte zur Verteidigung der Südgrenze fehlten, wurden zusätzlich zu den Tiroler Standschützen auch in den anderen Alpenländern die für den regulären Militärdienst zu Jungen und zu Alten zur freiwilligen Landesverteidigung aufgerufen.Die Freiwilligen k.k. Oberösterreichischen Schützen sind nach ihrer Mobilisierung am 19. Mai 1915 und erfolgter Ausbildung am 11. Juli 1915 in der Stärke von 1.200 Mann auf den italienischen Kriegsschauplatz zur Verteidigung der Tiroler Landesgrenzen abgegangen. Sie kehrten nach dem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch des Staates unbesiegt vom Feinde am 9. November 1918 mit einem Stande von 230 Mann in die Heimat zurück. Während ihrer Kriegsdienstleistung hatten die Schützen 167 Tote, darunter 15- und 16jährige, sowie 423 Mann Verwundete zu beklagen; daher jeder 9. Mann tot, jeder 3. Mann verwundet. Sie wurden infolge schwerster Verluste bei der Frühjahrs-Offensive 1916 gegen Italien auf ein Bataillon mit 2 Kompagnien zusammengezogen und bekamen insgesamt 1.549 Tapferkeitsmedaillen, so dass man sagen kann, nahezu jeder Schütze wurde für Tapferkeit ausgezeichnet.

 Das Denkmal der FWOÖS vor der Linzer Arbeiterkammer im Jahr 1935

In der Zwischenkriegszeit fanden viele der ehemaligen Soldaten in Kameradschaftsbünden zusammen. Im Jahr 1936 wurde ein Denkmal für die gefallenen OÖ freiwilligen Schützen vor dem Gebäude der Arbeiterkammer errichtet und im Rahmen einer großen Feier mit großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht. 1941 wurde, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, ein Spruch Adolf Hitlers am Denkmal angebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dieses Denkmal in der Besatzungszeit von den Alliierten Truppen abgetragen.

Jungschützenmuseum Bad Wimsbach-Neydharting

Ehemaliges Jungschützenmuseum in Bad Wimsbach Neydharting

Nach dem 2. Weltkrieg war es in den Fünfziger Jahren den ehemaligen Schützen wieder erlaubt eine Kameradschaft zu gründen. Auf Initiative von Prof. Otto Stöber, dem „Moor Professor“ aus Bad Neydharting wurde auf dem Gelände des Moorbades eine Gedenkstätte – ähnlich des Linzer Denkmals – neu errichtet und im Stiftungshaus ein Jungschützenmuseum untergebracht. Dieses Museum, welches unter der Leitung von Dr. Oskar Schmotzer eingerichtet wurde, enthielt viele seltene und historisch einmalige Schaustücke. So befanden und befinden sich in dieser Sammlung u.a.: viele Regiments-Tagebücher, Chroniken und Fotoalben, der historischer Wehrtisch, der erbeutete Wimpel von San Marino, der Nachlass von Major Emil Gürtler (Baons-Kdt), Gegenstände des Feldpaters Ortner und viele weitere historische Erinnerungsstücke.

Unwetter richten großen Schaden an

Hochwassereinsatz im Museum

In der Nacht vom 30. zum 31. Mai 2005 verursachten sintflutartige Regenfälle Überschwemmungen in der Marktgemeinde Bad Wimsbach Neydharting. Besonders das Gelände des Moorbades war davon betroffen, welches zum Teil überschwemmt wurde, so auch die im Erdgeschoss des Stiftungshauses befindlichen Räume des „Jungschützenmuseums“. Bis fast einen Meter hoch stand das Wasser und beschädigte nicht nur die Vitrinen sondern auch viele wertvolle Bücher und Fotoalben.

Wir wurden unmittelbar von dieser Situation informiert und haben noch am gleichen Tag mit der Sicherstellung und Evakuierung der gefährdeten Gegenstände begonnen. Nach dem das Wasser wieder zurückgegangen war, stand fest, dass in diesen feuchten Räumlichkeiten ein verbleiben des Museums nicht mehr möglich war. Mit Hilfe des MilKdo OÖ konnte das gerettete Inventar evakuiert und vorübergehend im Fliegerhorst Vogler zwischengelagert werden.

Das Projekt „OÖ Schützenmuseum“

Für uns galt es als wichtigstes Anliegen, dieses historisch wertvolle Kulturgut zu erhalten, und einen wichtigen Beitrag zu unserer Oberösterreichischer Kultur- und Landesgeschichte in den schweren Zeiten des Ersten Weltkriegs darzustellen. Es gelang uns Räumlichkeiten zu finden, welche sich für ein kleines, aber feines Archiv gut eignen. Diese wurden mit Hilfe unserer Mitglieder selbst renoviert und eingerichtet. Da sich im Besitz unseres Vereines noch weitere interessante Exponate zum Thema befinden, haben wir den Archivbestand natürlich auch auf die k.k. Landwehr und den k.k. Landsturm ausgedehnt. Die opfervolle Geschichte dieser ehemaligen OÖ k.k. Truppen darf nicht in Vergessenheit geraten. Hier wird an Sonderausstellungen zum Thema gearbeitet, welche an andren Museen gezeigt werden können.

Traditionspflege

Feldmesse beim Denkmal in Bad Wimsbach-Neydharting

Unser Verein hat sich um die Traditionspflege der k. k. Freiwilligen OÖ Schützen und das Jungschützenmuseum angenommen. Wir halten regelmäßig Mitte Juli – in Erinnerung an den Ausmarsch des Regiments – eine Feldandacht zum Gedenken an die Gefallenen beim Jungschützendenkmal in Bad Wimsbach-Neydharting ab. Am Eingang zur Minoritenkirche im Linzer Landhaus befindet sich ebenfalls eine Gedenktafel, welche an die gefallenen OÖ Schützen erinnert.