Das Archiv des Traditionsregiments „k. k. Landwehrinfanterieregiment Linz Nr.2 (LIR 2)“

Eine Bestandsaufnahme von Mag. Martin Prieschl

Der Verein für Lebende Geschichtsdarstellung „k. k. Landwehrinfanterieregiment Linz Nr.2“ (LIR2), der 1997 gegründet worden war, um die Tradition der Linzer Landwehr nach dem Tod des letzten Mitglieds der „Kameradschaft der Zweierschützen“ weiterzuführen, hob 2006 als Teil des Vereines die „Militärwissenschaftliche Abteilung“ aus der Taufe. Ziel dieser Abteilung ist es die Geschichte der Regimenter der Linzer Landwehr, des Linzer Landsturms sowie der „Freiwilligen Oberösterreichischen Schützen (FOÖS)“ zu erforschen – vor allem durch die Heranziehung der eigenen Bestände. Das Archiv selbst ist noch nicht ganz aufgearbeitet, die Bestände noch nicht vollständig verzeichnet. Die meisten Akten sind jedoch schon in faszikuliert und eingeschachtelt. Ein großer Teil der Fotos sind bereits digitalisiert wie auch die Glasplatten oder wichtige Archivalien.

I. Die Geschichte der Bestände

Das LIR 2 besitzt neben dem Archiv auch eine Sammlung und eine Bibliothek. Basis der Bestände sind die Archivalien der „Freiwilligen Oberösterreichischen Schützen (FOÖS)“ bzw. des „Kameradschaftsbund der ehemaligen oö. Freiwilligen Schützen“, die 2008 aus dem Jungschützenmuseum von Bad Wimsbach-Neydharting (Oberösterreich) nach Linz in die eigens angemietete Wohnung kamen1. Dies wurde ergänzt durch Geschenke von Freunden und Mitglieder, die Vorschriften, Bücher, Urkunden und zahlreiche Fotografien spendeten. Vor allem die Fotosammlung über die Linzer Landwehr wuchs nach 2006 beständig an. Kleinere Nachlässe kamen hinzu, 2009 auch der große Nachlass von FML Guido Novak von Arienti (1859 – 1928), den seine Enkelin zuerst Andreas Danner und dem Autor für ein Buch zur Verfügung stellte sowie dann ganz dem Archiv übergab2. Seit diesem Jahr wuchs der Bestand nur mehr langsam an, mit Hilfe des Landes Oberösterreich konnten einige Fotoalben über das LIR 2 aus einem Antiquariat angekauft werden. 2010 kam der von Andreas Danner übergebene Bestand des oberösterreichischen Heimwehrführers Friedrich Mayer hinzu. Er wurde vom Autor mit Hilfe des Oberösterreichischen Landesarchivs in Linz gescannt und ist als digitaler Bestand heute im OÖLA zugänglich3. Er ist neben dem Kleinbestand über General Wilhelm Zehner und den Beständen des „Kameradschaftsbund der ehemaligen oö. Freiwilligen Schützen“ nach 1918 angesiedelt.

II. Die Bestandsbeschreibungen:

Die Bestände, die alle im Eigentum des Vereins sind, bestehen aus folgenden Großgruppen:

  • Bestände der „Freiwilligen Oberösterreichischen Schützen (FOÖS)“ bzw. des „Kameradschaftsbundes der ehemaligen oö. freiwilligen Schützen“.
  • Bestände der Landwehr (Landwehrinfanterieregiment Linz Nro. 2, Landsturm 2)
  • Nachlässe von anderen Militärpersonen (mit Ausnahme der Nachlässe des LIR 2, Landsturm 2 und der FOÖS).
  • Sammelbestand Fotobestände
  • „Heimwehr-Archiv“ – Archiv der oö. Heimwehr-Landesstabsleitung
  • Partensammlung (LIR 2, Landsturm 2, FOÖS)
  • Vereinsarchiv
    a. Bestände der „Freiwilligen Oberösterreichischen Schützen (FOÖS)“ bzw. des „Kameradschaftsbundes der ehemaligen oö. freiwilligen Schützen“:

    Die Freiwilligen Schützen waren eine Kriegsdauer angelegte Formation. Die Oberösterreicher kamen ab dem Jahr 1915 an der Südfront zum Einsatz. Fast alle Archivalien des Archivs stammen aus dem „Museum der Freiwilligen oö. Schützen“, das bis 2008 in Bad Wimsbach aufgebaut war. Diese Sammlung hatte der sog. „Moorprofessor“ Otto Stöber – selbst ein „Freiwilliger Schütze“ in den Fünfziger Jahren – aufgebaut und bis zu seinem Tode betreut. In seinem Buch „Die Moor-Stöber“ erzählt Prof. Stöber über seine Zeit als „Freiwilliger oö. Schütze“4.

    Der Bestand, der bis zum Jahr 1938 reicht – die Kameradschaften wurden nach dem „Anschluss“ in den „Reichskriegerbund“ überführt – umfasst vor allem Regimentstagebücher, Liederbücher, Nachlässe von Angehörigen der FOÖS, Abschriften des „Linzer Tagblatts“ mit Meldungen über die FOÖS5 sowie eine reichhaltige Fotosammlung. Die bedeutendsten Bücher – die zum Teil mit der Hand geschrieben oder von Akademischen Malern entworfen und umgesetzt sind6:

    • Regimentsgeschichte in 5 Bänden (maschinengeschrieben). Unklar ist (noch), ob es sich um zeitgenössische Texte handelt, oder ob sie nach dem 1. Weltkrieg verfasst wurden. In ihnen befinden sich auch zahlreiche eingeklebte Fotos, Parten, Postkarten und handgezeichnete Skizzen von Schlachtfeldern oder Stellungen.
    • Regimentsgeschichte des Dr. Leo Gohn (1 Band) – handschriftlich verfasst. Es umfasst die Zeit zwischen 1915 – 1918.
    • Kriegstagebuch des Regimentsarztes Dr. Kieneswenger. Er beschreibt hier die Zeit zwischen 1915 und 1919 (handgeschrieben) – vermutlich nach dem Krieg. Ob er hier eventuelle zeitgenössische Notizen mit einbezog, ist unbekannt.
    • „Meine Erlebnisse an der Front mit den Freiwilligen Oberösterreichischen Schützen 1916 - 1918“ von Johann Kienesberger aus Ebensee (Bezirk Gmunden, OÖ) – ebenfalls handgeschrieben, auch unbekannt wann dies geschrieben wurde und/ oder eigene zeitgenössische Notizen verwendet wurden.
    • Liederbücher: Handschriftliche Aufzeichnungen über die Lieder, die von den FOÖS während des Ersten Weltkriegs gesungen wurden7. Teilweise sind auch handschriftlich die Noten samt Liedtexte eingetragen.
    • Ehrenbuch der FOÖS „Ehre ihrem Andenken – sie fielen für das Vaterland“ von Michael Blümelhuber, Edmund Hödinger und Ludwig Haase. Es ist ein von akademischen Malern kunstvoll gestaltetes Buch, das alphabetisch alle Gefallenen der FOÖS auflistet. Dazu gibt es ein Buch „Unterlagen zum Ehrenbuch“. Ebenfalls alphabetisch geordnet listet es auf, wo alle die im „Ehrenbuch“ eingetragen sind, gefallen sind bzw. ihre Grabstelle befindet. Dazu sind Skizzen dabei, eingeklebte Parten, Fotos sowie Briefe mit den Nachforschungen – teils Zeugenaussagen – aus den Jahren 1936 – 1937 über ihren Tod am Schlachtfeld. Die Nachforschungen liefen zumeist über persönliche Kontakte wie auch durch Anfragen an die zuständigen Gemeindeämter.
    b. Archivalien der Landwehr 1914 – 1918:
    Es sind dies große Fotobestände, die teilweise mit finanzieller Hilfe des oö. Landeshauptmannes Dr. Josef Pühringer gekauft wurden. In diesem Bestand sind auch kleinere Nachlässe vorhanden, u.a. der des Feldwebel Franz Oiser. Dieser umfasst neben Briefen, Postkarten auch Ernennungsurkunden ab 1920, bis in die Zeit des 2. Weltkriegs, wo Oiser als Stabsunteroffizier der Deutschen Wehrmacht in Pension ging; auch Fotos und Schriften von 1919 – 1939.
    c. Der Nachlass des FML Guido Novak von Arienti (1859 – 1928):
    Andreas Danner und der Autor bekamen von der Enkelin des Feldmarschallleutnants und letzten Kommandanten der Militärakademie in Wiener Neustadt (1917 – 1918) den gesamten Nachlass zur Ausarbeitung einer Biografie des Offiziers8. Danach übergab sie denselben dem Archiv als Geschenk. Es sind dies nicht nur die persönlichen Papiere Novaks sondern auch Bilder, Fotos sowie Stellungsskizzen oder Denkschriften.
    d. Gesammelte Fotobestände zum Ersten Weltkrieg (1914 – 1918):
    In diesem Bestand sammeln sich Fotos, Postkarten und Glasplatten, die einzeln gekauft oder an das Archiv verschenkt wurden. Es sind dies Fotobestände u.a. zu den „Steirischen Freiwilligen Schützen“, des „Standschützenbataillons Riva“, der Regimenter IR 14, 59, 84, 91, Bilder von der Isonzo- und Piavefront, der Tiroler Front (v.a. Sexten, Fasana, Riva – meist Landschafts- und Stellungsaufnahmen) und Bilder der Artillerietruppe (eine Zuordnung zu militärischen Einheiten ist hier unmöglich). Einzig der sehr kleine Bildbestand zum 1938 auf ungeklärte Weise verstorbenen General Wilhelm Zehner geht über das Jahr 1918 hinaus.
    e. „Heimwehr-Archiv“ – Archiv der oö. Heimwehr-Landesstabsleitung:
    Dieser Archivbestand wurde am OÖLA gescannt und ist als digitaler Bestand hier zugänglich. Die Originale lagern im Archiv des LIR 2. Es sind dies die Akten, Karten, Zeichnungen, Rechnungen, Berichte, Expertisen, Briefe usw. der Landesstabsleitung der oö. Heimwehr aus den Jahren 1919 – 1933. Diese hat der ehemalige Landesstabsleiter Major i.R. Friedrich Mayer gesammelt und nach seinem Tod 1937 blieb der Bestand auf einem Dachboden in Enns erhalten; die Schwiegertochter des Majors verkaufte ihn und durch den Käufer Andreas Danner kam er in das Archiv der Linzer Zweier. Von Major Mayer sind auch Ausschnitte eines Tagebuchs während des I. Weltkriegs erhalten (IR 80)9.

    III. Lagerung und Benutzung des Bestandes:

    Die Originalbestände sind zum Teil in Archivkartons faszikuliert in alterungsbeständigem Papier gemäß ISO DIN-ISO 9706 gebettet sowie vorläufig verzeichnet. Da das Archiv noch nicht fertig ist, liegen die anderen Archivalien von Schmutz und Eisen befreit in Archivboxen. Die gebundenen Handschriften sind in Stahlschränken versperrt. Die Fotos wie die Glasplatten liegen in Fototaschen ebenfalls in Archivkartons in den Stahlschränken versperrt.

    Die Bestände sind auf Anfrage hin unentgeltlich einzusehen (eine Kopiermöglichkeit ist nicht vorhanden), doch geht dies nur auf Emailanfrage ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ). Da die Archivare des LIR 2 alle ehrenamtliche Funktionen innerhalb des Vereins bekleiden, ist nur wenige Tage im Jahr möglich; dazu kommt noch, dass die meisten Teile noch nicht gänzlich verzeichnet sind – diese Teile sind nicht einsehbar. Das Heimwehr-Archiv ist nur digital im OÖLA benutzbar.


1. 2008 war das Museum in Bad Wimsbach-Neydharting überschwemmt worden. Mitglieder der Linzer Zweier bargen fast alle Gegenstände und Archivalien der Sammlung und verbrachten sie bis zur Übersiedlung in die neuen Archivräume in einem Gebäude des Militärkommandos Oberösterreich unter.

2. Andreas Danner, Martin Prieschl, „Ein Offizier und seine Zeit – Ein Leben für Gott, Kaiser und Vaterland: Guido Novak von Arienti“, Linz 2008;

3. Diese Arbeit ist zugleich die Abschlussarbeit des Autors am „Institut für Österreichische Geschichtsforschung“ (Studium der Historischen Hilfswissenschaften, Geschichtsforschung und Archivkunde“) an der Universität Wien: Martin Prieschl, „Der Nachlass des Heimatschutzlandesstabsleiter von Oberösterreich Friedrich Mayer (1887 – 1937)“, Phil.DiplArb., Wien 2011;

4. Otto Stöber, „Die Moor-Stöber. 275 Jahre Neydhartinger Moor-Familie Stöber vor dem historischen Hintergrund der Jahre 1699 – 1974“, Linz 1975; Dies ist jedoch kein Buch wissenschaftlicher Qualität, eher eine lockere Erzählung der Familie Stöber. Die Teile nach 1902 sind autobiografisch.

5. „k. k. Freiwillige Oberösterreichische Schützen Regiment 1915 – 1918“.

6. Diese Bücher sind erst oberflächlich durchgearbeitet worden, sodass noch keine genaue Bestimmung zu Datum der Niederschrift gemacht werden konnte.

7. Lieder und sonstiges Allerlei, das von den Freiwilligen oö. Schützen während ihrer Kriegsfahrt von 1915 – 1918 gesungen und getrieben wurden – gesammelt von Theodor Bayer“, ohne Ort 1934;

8. Danner, Prieschl, „Ein Soldat und seine Zeit“;

9. Prieschl, Nachlass des Landesstabsleiters;